Augenblick verweile

Musik verläuft in der Zeit, Malerei ist an die Fläche gebunden - wie soll es da innere Zusammenhänge geben? Kann man den Graben zwischen den Kontinenten des Klanges und der Farbe zuschütten, überspringen? Nun, zumindest aeronautische Verbindungen scheint es zu geben: Bilder vieler Ausstellungen sind in Töne verflogen, und Fugen haben Ballonfahrten hinein in zeichnerische, malerische (und auch dichterische) Formen hinter sich gebracht. Die Kontinente befinden sich in einer gemeinsamen Welt.

In einer solchen, wenn auch kleinen Welt - in Karlsruhe nämlich - trafen und faszinierten sich Anfang der 1980er Jahre zwei Künstler, der Komponist Wolfgang Rihm und der Maler, Bildhauer und Geologe Per Kirkeby. Beiden brachte die Begegnung Ertrag, lyrischen für den Maler, für den Komponisten das Tongemälde „Schattenstück“, dem Kirkeby in Person, Werk und Arbeitsweise Anstoß der Entfaltung war.

Vom Bild und von der Skulptur zur Musik - warum nicht wieder von der Musik zurück zum Bild? Dieser Gedanke gab die Anregung für zehn Kollegiatinnen und Kollegiaten des Wirsberg-Gymnasiums Würzburg, im Rahmen ihres Leistungskurses Kunst mit dem „Schattenstück“ spielerisch-assoziativen (gleichwohl auf systematischer Grundlage beruhenden) Umgang zu pflegen. In mehreren Rezeptionserlebnissen erwarben sie Distanz ebenso wie Nähe zu dem Tongemälde und entwickelten daraus Bilder, aus denen Rihms Klänge und Strukturen hervortreten oder in denen Musik sich verbirgt und unterirdisch wirkt. Diese Bilder zeigen wir zusammen mit „Ansichten“ des Komponisten, des Malers und der Kollegiatinnen, und wir zeigen damit: die Kontinente drifteten zusammen.